Cichoracki, Piotr, „Z nami jest On“. Kult Marszalka Józefa Pilsudskiego w Wojsku Polskim w latach 1926 – 1939, Wroclaw: Towarzystwo Przyjaciól Ossolineum 2001, 165 S., 33,80 Zloty.

Für „Polhist” rezensiert von Dr. Heidi Hein (Mettmann)

Der Pilsudski-Kult war in der polnischen Zweiten Republik zwischen 1926 und 1939 ein Mittel der Selbstdarstellung des Staates und des Regierungslagers („Sanacja“). Somit war er nicht nur ein Ersatz für die wenig ausgeprägte Sanacja-Ideologie, sondern auch deren Essenz. Er erhielt dadurch legitimatorische, integrative und identitätsbildende Funktionen und schuf neue staatliche Traditionen, die der bis 1918 geteilte Staat benötigte, um ein einheitliches Staatsvolk zu schaffen. Im polnischen Militär wurde der Kult um den Ersten Marschall Polens auf besondere Weise gepflegt, und dies nicht nur, weil dieser in dem offiziell vertretenden Pilsudski-Bild als Schöpfer des polnischen Militärs galt, sondern auch weil der Unterricht für die Wehrpflichtigen und Soldaten als Ersatz für die oft unzureichende schulische Bildung diente und damit eine wichtige Rolle für die Integrationsprozesse des jungen Staates wahrnahm.
Die vorliegende Studie untergliedert sich in fünf Abschnitte. Zunächst beschreibt der Verfasser die Instrumente des Pilsudski-Kultes im Militär (vor allem die Presseerzeugnisse und die Tätigkeit des Wojskowy Instytut Naukowo-Wychowaczy). Die folgenden drei Kapitel widmen sich dem Pilsudski-Bild. Zunächst beschreibt der Verfasser, wie Pilsudskis Biographie in der Propaganda des Militärs, dann wie der Marschall als dessen Beschützer und Patron und schließlich als zentrale Persönlichkeit des wiedererrichteten Polens stilisiert wurde. Abschließend  führt Cichoracki die Gelegenheiten an, bei denen der Pilsudski-Kult vermittelt wurde (Namenstags- und andere Feiern, Bilder, Sport und Exkursionen, Trauer um den Marschall). Durch den ausführlichen Anhang mit wichtigen, repräsentativen Dokumenten und Fotographien wird die Analyse illustriert.
Der Verfasser geht in seiner kurzen Studie leider nicht über deskriptive Ansätze hinaus; etwa definiert er den Begriff „Kult“ nur in einem Halbsatz. Eine breitere Reflexion dieses Begriffes würde darüber hinaus auch noch auf wichtige Funktionen des Kultes, die hier nur oberflächlich angedeutet werden, hinweisen und deren Analyse ermöglichen. Daher kann der Autor beispielsweise nur feststellen, daß der Pilsudski-Kult bei sportlichen Übungen im Militär eine bedeutende Rolle spielte, und zum Schluß kommen, daß die Art und Weise, in der er im Militär gepflegt wurde, zeige, „wie komplex und vieldeutig diese Erscheinung war“ (S. 82). Trotzdem ist die vorliegende Studie ein erhellender Beitrag zur Geschichte des Pilsudski-Kultes und  zum Alltagsleben im polnischen Militär.
 

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