Birtultau / Biertułtowy

Birtultau um 1900
Birtultau um 1900


Birtultau (Kreis Rybnik) ist heute nur noch als Industrievorort des Konglomerats Rybnik - Radlin - Loslau auf der Landkarte zu finden. Das ursprüngliche Waldhufendorf wurde im Jahre 1300 als "Bertholdi villa" erwähnt, die Gründung dürfte im Jahrhundert davor erfolgt sein. Ende des 16.Jh. siedelten hier 14 Bauern und 2 Gärtner. In habsburgischer Zeit gehörte B. über 200 Jahre lang zur Gutsherrschaft Rybnik.
Die Zahl der Einwohner entwickelte sich von 87 im Jahre 1783/84 über 279 im Jahre 1825 auf 1908 im Jahre 1905. Von den 632 Einwohnern im Jahre 1861 waren 582 Katholiken, 39 Protestanten und 11 Juden.

Felix Triest schrieb über den Ort 1864:

"Das Dorf Birtultau mit dem früheren Domänen-Vorwerk gleichen Namens liegt auf dem Kamme des den Kreis durchstreichenden Haupthöhenzuges, 1 Meile südwestlich von Rybnik, unweit eines ziemlich tief eingeschnittenen schmalen Thales auf einer fast ebenen Fläche, in einem mehr lehmigen als sandigen Terrain, welches einen ziemlich tragbaren Ackergrund (784 Morgen) darbietet. Die Einwohner, welche neben ihrem in altgewohnter Weise ziemlich lässig betriebenen Ackerbau, der demunageachtet recht gute Erträge liefert, auch ganz genügende Arbeitsgelegenheit in den ihren Ort rings umgebenden Kohlengruben und Steinbrüchen haben, sind ziemlich wohlhabend und haben im Jahre 1861 das, früher in Birtultau vorhanden gewesene Domänen-Vorwerk gleiches Namens größtentheils erkauft, nachdem die bis dahin hier etablirt gewesene Ackerbauschule nach Poppelau verlegt war. Der Rest ist an andere nachbarliche Käufer übergegangen. Auf Birtultauer Terrain liegen die Hoym- und die Rheden-Kohlengrube, welche ein sehr umfangreiches, jetzt fast 1/2 Million Tonnen betragendes Geschäft machen, die erst neuerdings wieder in Betrieb gesetzte Mariahilf-Grube, mit ebenfalls guter Kohle, aber schon der ungünstigen Lage wegen weit geringerer Förderung, und die in Fristen liegenden Kohlengruben Carolus, Laura, Heitzmann und Oeynhausen. Von der Hoym-Grube aus führt eine von der Gewerkschaft erbaute Chaussee über Rydultau nach der Rybnik-Ratiborer Staatschaussee, in welche sie bei der Carlsseegen-Grube mündet; außerdem führt eine chaussirte Straße direct an die Eisenbahn und an einen Abladeplatz bei dem Dominial-Vorwerk Ober-Niewiadom. Der Ort ist nach Pschow eingepfarrt und bis jetzt nach Niedobschütz mit 131 Kindern eingeschult, es ist aber bei der Dismembration des Vorwerks ein massives Vorwerksgebäude zur Schbule erkauft und es wird an dessen Einrichtung gearbeitet. An Vieh werden hier 17 Pferde, 98 Stück Rindvieh, 28 Schweine und 2 Ziegen gehalten".

Bei der Volksabstimmung im Jahre 1921 stimmten von 1.594 abgegebenen Stimmen 1.043 für Polen (= 65,4%), der Ort fiel auch an Polen. In den 20er Jahren erhielt die Gemeinde eine eigene Pfarrei und 1928 schließlich einen Kirchenbau, die Mariä Himmelfahrt-Kirche. Nach Kriegsende und zahlreichen Zerstörungen erfolgte rasch der Wiederaufbau und die administrativen Neugliederungen, 1954 entstanden die selbständigen Städte Radlin und Pszów, 1975-1997 gehörten alle Orte inklusive Birtultau zu Loslau. Seit 1997 ist Radlin wieder eine eigenständige Stadt.
Aus B. stammte der Begründer des Oppelner Gesangsfestivals, Karol Musioł (1905-1983).

Der Name KRZOSKA ist bis Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Ort nachgewiesen, unter anderem mit den zwischen 1866 und 1874 geborenen Hedwig, Julius und Eugenie KRZOSKA.


Literatur:

Eryk Holona: Ocalić od zapomnienia. Radlin-Biertułtowy 2000.

A. Mrowiec: Szkice z nowszych dziejów ziemi rybnickiej, Katowice 1962.

Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Bd. 2, Breslau 1864, S. 756.

Internet:

- Biertułtowy sto lat temu

- Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt in Birtultau

- Geschichte der Stadt Radlin


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