Józef Ksawery Elsner (1769-1854)

Józef Ksawery Elsner

Nur wenige außerhalb des Kreises der Musikinteressierten kennen einen der wichtigsten Komponisten und Musikpädagogen des ostmitteleuropäischen Raums im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, Józef Ksawery Elsner (1769-1854). Und selbst die Experten beschäftigten sich lange Zeit mehr mit der Frage seiner Nationalität als der Rezeption seines Werkes. Elsner wurde als Sohn eines Tischlers und Musikinstrumentebauers in Grottkau in Schlesien geboren. Seine Familie war deutsch, es bestanden jedoch - wie in jeder Grenzregion - enge Verbindungen zum Nachbarn, in diesem Falle zur polnischen Kultur. Er selbst bezeichnete sich nie als "Deutschen" oder "Polen", sondern höchstens als "Schlesier" oder später in Polen als "Inländer" (krajowiec).
Elsner studierte zunächst Geige und Komposition an der Universität Breslau. 1791 ging er als Geiger zunächst nach Brünn, um schon im folgenden Jahr als Kapellmeister ans Lemberger Theater zu wechseln, wo er bis 1799 blieb. Fünfundzwanzig Jahre lang war er anschließend in gleicher Funktion am Warschauer Teatr Narodowy tätig. Er gründete 1821 das dortige Konservatorium, nach dessen Aufteilung er die Szko³a G³ówna Muzyki (Musikhochschule) als Direktor übernahm. Die langen Warschauer Jahre bis zu seinem Tode im Jahre 1854 waren geprägt von seinem kompositorischen und pädagogischen Schaffen.
Im Stil anknüpfend an Mozart, Haydn, die italienische Oper und die polnische Volksmusik seiner Zeit entstanden insgesamt 38 Bühnenwerke, darunter die Opern "Leszek Bia³y" und "Kró³ £okietek", ein Oratorium, zahlreiche Messen, acht Symphonien, Polonaisen, Walzer und Märsche.
In seinen theoretischen Arbeiten beschäftigte sich Elsner mit Fragen der Rhythmik und Metrik des Polnischen. Bekannt wurde er freilich in erster Linie durch seinen berühmtesten Schüler Fryderyk Chopin, der von 1826-1829 bei ihm studierte.
Der Warschauer Aufenthalt führte dazu, dass sich Elsner relativ rasch polonisierte, ohne freilich die Bezüge zur deutschen, besonders zur schlesischen Kultur zu vergessen. Als Charakterisierung seines Schaffens mögen die Worte von Hieronymus Truhn aus dem Jahre 1841 dienen: "Der kluge Pan Josef Elsner, ein Pole mit Leib und Seele, ein besserer Patriot als Tausende geborener Polen. Trotz seiner nicht-polnischen Abstammung gehört Elsner zur polnischen Kultur". Hinzufügen könnte man, dass er einer der vielen vergessenen Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen ist, dessen Werk erst allmählich wiederzuentdecken ist.

 

Weiterführende Literatur:

- Nowak-Romanowicz, Alina: Józef Elsner. Monografia. Kraków 1957.

- Homma, Martina: Nationale Musik und nationale Musikwissenschaft. Der Fall Joseph Elsner, in: Deutsch-polnische Ansichten zur Literatur und Kultur 6. Wiesbaden 1995, S. 104-116.



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