Stanis³aw Przybyszewski (1868-1927)

Stanislaw Przybyszewski
Edward Munch: Porträt Stanis³aw Przybyszewskis (1895)

Provokateure gab es in der Literatur immer. Manche verdanken ihren "Ruhm" einem skandalösen Werk, andere ihrer Lebensführung. Die einen verglühten rasch wie ein Komet, die anderen setzten sich irgendwann zur Ruhe. Im deutsch-polnischen Kontext war Stanis³aw Przybyszewski sicherlich einer der auffallensten Erscheinungen der Zeit um die Jahrhundertwende. Der "geniale Pole" (August Strindberg) schrieb anfangs auch auf Deutsch und hielt Verbindungen, nicht zuletzt privater Art, nach Skandinavien.

Geboren als Sohn des Dorflehrers im damals russischen £ojewo bei Kruschwitz besuchte er deutsche Schulen in Thorn und Wongrowitz. Er begann ein Studium der Architektur, dann der Medizin in Berlin, wurde jedoch 1893 wegen seiner Kontakte zur Arbeiterbewegung von der Universität relegiert.
Sein erstes Werk "Zur Psychologie des Individuums", u.a. Studien über Chopin, Nietzsche und den Schweden Ola Hansson, ebnete ihm den Weg in die Berliner Künstlerszene, wo er rasch Kontakte zu Edvard Munch, August Strindberg und Richard Dehmel knüpfte. Die Jahre 1894 bis 1898 verbrachte er mit seiner norwegischen Frau Dagny Juel in deren Heimat. Es folgten bis 1906 ruhelose Wanderjahre durch ganz Europa, bis er sich in München niederließ. 1919 kehrte er ins wiedererstandene Polen zurück. Przybyszewski starb im November 1927 in Jaronty im heimatlichen Kujawien.

Przybyszewskis Symbiose von Leben und Werk äußerten sich in seiner Begeisterung für den Modernismus und später den Expressionismus. Sein radikaler Ästhetizismus mischte sich mit seiner Überzeugung von der entscheidenden Rolle der Sexualität ("Am Anfang war das Geschlecht. Nichts außer ihm - alles in ihm", 1893). Alkoholismus, moralische Skandale, der Freitod zweier seiner Frauen, all das war hinreichend Gesprächsstoff für eine interessierte Öffentlichkeit. V.a. seine frühen Gedichte und Romane fanden begeisterte Leser in Deutschland, Polen, Skandinavien, Russland oder sogar Serbien. Hierzu gehörten die Gedichtbände Totenmesse(1893) und De Profundis (1895) sowie die Romane Satans Kinder (1897) und Erdensöhne (1904). Außerdem verfasste Przybyszewski Dramen im Stile Ibsens, Strindbergs und Maeterlincks. Seine spät begonnene, die eigene Rolle verklärende Autobiographie "Mói wspó³cze¶ni" blieb unvollendet.
Nach langen Jahren des Vergessens erlebte Przybyszewski seit den 1980er Jahren eine allmähliche Wiederentdeckung, nicht nur in Satanistenkreisen. Auf Deutsch erschien im Igel-Verlag sogar eine vollständige Werksausgabe.

 

(Hintergrundmusik: Erich Wolfgang Korngold, Streichsextett, 1917)

 Weiterführende Literatur:

- Józef Dynak: Przybyszewski. Dzieje legendy i autolegendy, Wroc³aw 1994.

- Hans-Peter Hoelscher-Obermaier: Stanis³aw Przybyszewski, in: Panorama der polnischen Literatur des 20. Jh. Teil 4: Porträts. Hrsg. von Karl Dedecius und Manfred Mack, Zürich 2000, S. 723-729.

- Gabriela Matuszek (Hrsg.): Über Stanis³aw Przybyszewski: Rezensionen - Erinnerungen - Porträts - Studien 1892-1995. Paderborn 1995

Links im Internet:

- http://monika.univ.gda.pl/~literat/stachp/



Zur nächsten Person                  Zurück zum Anfang