Der "Schalker Kreisel" (1933-1942)

von links: Fritz Szepan,
Herbert Burdenski, Ernst Kuzorra (1940)
Die beste deutsche
Fußballmannschaft der Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg kam aus Gelsenkirchens
Stadtteil Schalke. Der 1904 gegründete Verein nahm etwa gleichzeitig mit dem
"Dritten Reich" seinen Aufschwung und errang 1934 zum ersten Mal den
deutschen Meistertitel, dem bis 1942 noch fünf weitere folgten. Legendär war
dabei das offensive Kurzpassspiel, dessen Geschwindigkeit die meisten
Gegnenspieler in Verwirrung stürzte, so dass bald vom "Schalker
Kreisel" die Rede war. In jenen Jahren nannte man Schalke 04 bei seinen
Gegnern, und davon gab es im Ruhrgebiet nicht wenige, respektlos den
"Polackenverein". Höhepunkt war vielleicht das Endspiel um die
"großdeutsche Meisterschaft" gegen Admira Wien im Sommer 1939 im
Berliner Olympiastadion, das mit einem 9:0-Sieg der Schalker
"Knappen" endete.
Im nationalsozialistischen System war das keine
positiv besetzte Bezeichnung und 13 Spieler wehrten sich dagegen in einer
offiziellen Erklärung im Fußballfachblatt "Kicker" vom 7. August 1934
energisch. Sie wiesen darauf hin, dass ihre Eltern alle im "heutigen oder
früheren Deutschland geboren seien" und sie selber auch keine Immigranten
seien. Dies entsprach auch der Wahrheit, doch stammten 10 der Fußballer aus dem
Osten, die meisten von ihnen aus Masuren, andere aus Schlesien und Großpolen.
Das bedeutete freilich keine propolnische Einstellung, im Gegenteil, einige
engagierten sich frühzeitig für Hitler und sein System, änderten teilweise
sogar ihre Namen: aus Czerwiñski wurde Rothardt, aus Przytulla Valentin. Auch finanziell
profitieren einige von ihrer NS-Einstellung.
Die bedeutendsten Vertreter des Teams blieben
ihren Namen allerdings treu und stehen auch heute noch für jene Blütezeit des
deutschen Fußballs und für ein Kapitel europäischer Migrationsgeschichte: Fritz
Szepan (1907-1974), Ernst Kuzorra (1905-1990), aber auch Ernst Kalwitzki, Otto
"Ötte" Tibulski (1912-1991), Herbert Burdenski (1922-2001).
Und auch heute wieder stehen polnische Namen im
Team der "Königsblauen": die beiden Nationalverteidiger Tomasz Hajto
und Tomasz Wa³doch.
Weiterführende Literatur:
- Georg Röwekamp: Der Mythos lebt: Die Geschichte des FC Schalke 04. Göttingen 3. Aufl. 2001. 367 S.
- Schalke 04: 1920-1995. Zusammengestellt
von Matthias Kropp. Kassel 2. Aufl. 1995. 430 S.
Links im Internet:
- http://www.100-schalker-jahre.de/