August Scholtis (1901-1969)

August Scholtis

 

Weder Deutscher noch Pole oder Tscheche, sondern Oberschlesier: als solcher fühlte sich der heute fast völlig vergessene Schriftsteller und Journalist August Scholtis, einer derjenigen, der von den polenfeindlichen Anwandlungen seiner Jugendzeit bis zu den Appellen für Versöhnung einen weiten Weg zurücklegte.
August Scholtis wurde 1901 in Bolatitz im Hultschiner Ländchen geboren, jener Region also, die nach dem Ersten Weltkrieg an den neuen tschechoslowakischen Staat fiel. Aus einer bäuerlichen Familie kommend wuchs er weitgehend als Autodidakt auf und arbeitete als Kammerdiener und Sekretär für den bedeutenden Außenpolitiker Karl Max Fürst Lichnowsky. Nach ruhelosen Aufenthalten an verschiedenen Orten, u.a. in Prag, kam Scholtis 1929 nach Berlin, wo in relativ kurzer Zeit sein erster Roman "Ostwind" entstand, der 1932 erschien und ein großer literarischer Erfolg wurde, den Scholtis später nie wiederholen konnte. Die Thematik der Oberschlesischen Aufstände und des Helden Kaschpar Theophil Kaczmarek brachte eine völlig neue Sprache in die Literaturszene hinein. Im Dritten Reich schlug sich Scholtis - mitunter durchaus unkritisch und systemnah - in Berlin durch. Nach dem Krieg versuchte er ein Comeback, musste aber rasch erkennen, dass die Zeit für "Heimatliteratur" aus dem deutschen Osten vorbei war. Noch einmal Aufmerksamkeit erregte er mit seinen Memoiren "Ein Herr aus Bolatitz" von 1959. Anfang der 1960er Jahre machte sich Scholtis für eine Verständigung mit Polen und der Tschechoslowakei stark und verfasste einen sich gut verkaufenden Reisebericht, der an einigen Stellen die Bedeutung des Kommunismus sogar recht positiv beschreibt. Ein Buch, das wenige Jahre vor der "neuen Ostpolitik" mit jenem wegweisenden Satz schloss: "Es ist höchste Zeit, dass Deutsche und Polen sich endlich offen ins Auge schauen und versöhnungsbereit die Hände entgegenstrecken als Anbeginn eines zweiten Jahrtausends unumgänglicher guter Nachbarschaft". Scholtis sollte diese Entwicklung nicht mehr miterleben, er starb 1969 in Berlin.

Weiterführende Literatur:

- Marek Zybura: August Scholtis. Leben, Werk, Wirkung. Paderborn (u.a.) 1997.

- Wojciech Kunicki: "Ostwind" von August Scholtis, in: Studien zur Kulturgeschichte des deutschen Polenbildes 1848-1939. Hrsg. von Hendrik Feindt. Wiesbaden 1995, S. 194-212.

Im Internet:

- Geschichte der Gemeinde Bolatitz/Bolatice (in tschechisch): http://www.bolatice.cz/bolatice/czech/history.asp



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